Selbstporträt - Malen nach Zahlen oder Warum ich mir lieber ein Ohr abschneide, als etwas zu einfach zu machen.

  Ich war noch nie gut in einfachen Dingen. Und ich habe Dingen, die auf Anhieb funktionieren, nie wirklich getraut. Wenn etwas beim ersten Versuch klappt, bin ich nicht stolz. Ich werde misstrauisch. Dann fange ich an zu zweifeln – nicht an mir, sondern am Ziel. War es zu klein? Zu bequem? Zu nah an dem, was jeder hätte machen können? Ich hatte nie Angst vor dem Scheitern. Eher im Gegenteil. Manchmal hatte ich Angst davor, nicht zu scheitern. Angst davor, dass etwas sofort gelingt – und ich mich dann frage, ob der Weg überhaupt notwendig war. Ich arbeite nicht linear. Ich fange nicht bei null an. Null ist für mich keine Freiheit, null ist eine Aufgabe. Freiheit beginnt für mich mit Dingen. Mit Material. Mit Gewicht. Mit Widerstand. Ich sammle Sachen „für später“. Dinge, von denen ich nicht weiß, wofür ich sie brauche. Aber ich weiß: Irgendwann werde ich es wissen. Das ist keine Unordnung. Das ist Freiheit auf Vorrat. Meine Projekte entstehen nicht aus Ide...

Projekt Marrakesch – Die Abholung

 

 




 

Nachdem alle Formalitäten rund um den Kauf erledigt waren, stand der nächste Schritt an: die Abholung. Doch wie das Leben so spielt – alles, was gut und groß werden soll, bekommt man nicht geschenkt. Auch dieser Porsche nicht.

Der Wagen wartete nicht etwa abholbereit in einer Garage. Nein. Er stand hinter dem Haus, um die Ecke, getrennt durch eine lange und äußerst schmale Einfahrt. Eine einfache Wiederbelebung würde das hier sicher nicht werden. Und ein „automobiler Kaiserschnitt“ war ebenfalls ausgeschlossen.
Also blieb nur eines: pressen, fluchen, schieben, ziehen, lenken.
Zumindest in der Theorie.

Zuerst mussten die Reifen Luft bekommen – und im besten Fall auch behalten. Und tatsächlich: sie hielten. Rund, straff, bereit. Ein kleiner Sieg, aber ein wichtiger.

Nun ging es ans Bewegen. Und hier kam dann alles, was vorher nur angedeutet war – nur mit deutlich mehr Fluchen. Die 25 Standjahre hatten Spuren hinterlassen. Die Bremsen waren komplett fest. Also half alles nichts:
Alle Räder runter.
Bremsflüssigkeit raus.
Bremssättel ab.
Schrauben, schrauben, schrauben.

Nach zwei Stunden intensiver Arbeit war es geschafft: Der Porsche war nun frei – und rollbar.
Theoretisch zumindest.

Denn jetzt zeigte sich das nächste Problem: Das Zündschloss hing fest, und das Lenkradschloss ließ keine Lenkbewegung zu. Geradeaus? Ja.
Um die Ecke? Keine Chance.

Also: beten, fluchen, Gewalt androhen – und schließlich ein gesunder Schuss WD-40.
Und tatsächlich: Es klickt. Das Schloss gibt nach. Das Auto ist frei.

Jetzt blieb nur noch der letzte Schritt: Aufladen auf den Anhänger und nach Hause bringen.
Und dieser Teil?
Der lief erstaunlich problemlos.

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