Der eine hat die Lizenz zum Töten. Ich für die Rennstrecke. Teil 2: Taxi, Teilejagd und Strom auf Raten.

  Ein paar Stunden vorher – Freitagmorgen. Als ich am Freitagmorgen im Taxi zur Rennstrecke saß, fühlte sich das an wie ein Paralleluniversum: Ich war eigentlich auf dem Weg zur Rennlizenz – also zu etwas, das nach Kontrolle, Präzision und „ich hab mein Leben im Griff“ riecht. Und trotzdem saß ich in einem Taxi, während mein Auto sechs Kilometer entfernt irgendwo stand und sich vermutlich gerade selbst bemitleidete. Die Straße nach Posen war harmlos. Das Taxi war leise, warm, zuverlässig. Ich merkte, wie mein Körper bei jeder normalen Beschleunigung kurz irritiert war – als würde er fragen: „Moment… das geht auch ohne Drama?“ Ich lehnte den Kopf an die Scheibe und starrte raus, und irgendwo zwischen Müdigkeit und Adrenalin tauchte ein Gedanke auf, der mir unangenehm war: Vielleicht wird das heute sogar… einfach. Zum Glück ist Tag eins Theorie. Kein Auto nötig. Kein Starten. Kein Strom. Keine 14-Volt-Hoffnung. Nur Unterricht. Regeln. Flaggen. Verhalten. Sicherheit. Dinge, die ...

Projekt Marrakesch Teil 2 – Die Entscheidung am Küchenfenster

Project Marrakesh

 


Manchmal beginnt ein neues Abenteuer nicht mit Motorgeräuschen
oder dem Drehen eines Zündschlüssels,
sondern mit einem einfachen Gespräch am Küchentisch.

Bevor aus einer Idee ein Projekt werden konnte,
bevor „Marrakesch“ mehr war als eine vage Richtung auf einer Landkarte,
musste ich jemanden überzeugen,
der mit diesem Wagen weit mehr verband als Blech, Technik oder Wert.

Die Besitzerin des Porsche.

Für sie war der 944 nie nur ein Auto.
Er war ein Teil ihres Lebens,
ein stiller Begleiter,
ein Gefährte ihres Mannes,
der vor fast einem Vierteljahrhundert verstorben war.
Seit jenem Tag stand der Wagen auf demselben Platz,
unausgesprochen bewacht durch das Küchenfenster,
als wäre dieser Blick hinunter in den Hof
ein letzter Faden, der die Vergangenheit festhielt.

Jeder, der den Porsche kaufen wollte,
stieß nicht an eine Preisvorstellung –
sondern an eine emotionale Grenze.
Denn wenn der Wagen gehen würde,
würde eine neue Lücke entstehen.
Keine Karosserie mehr, die durchs Fenster zu sehen war.
Kein vertrauter Umriss.
Keine Verbindung zu einem Leben, das längst weitergezogen war.

Als wir uns trafen, ging es nicht um technische Fragen,
nicht um Rost, um Papiere oder um Verhandlungen.
Es ging darum, Vertrauen zu schaffen.
Zu zeigen, dass der Porsche nicht in irgendeiner Werkstatt verschwinden würde,
nicht ausgeschlachtet, nicht lieblos weitergereicht werde.

Wir sprachen lange.
Über Erinnerungen, über Reisen, über das Auto,
über Dinge, die man nicht in Fotos festhalten kann.
Sie wollte wissen, wer ich bin,
warum gerade ich diesen Wagen wollte,
und was ich mit ihm vorhabe.
Eine Art persönliches Bewerbungsgespräch –
nur mit mehr Herz als Formalität.

Während sie erzählte, stand die Tasse Kaffee zwischen uns,
und hinter ihr, durch das Fenster,
sah ich den Porsche: still, verstaubt, eingefroren in seiner eigenen Zeit.

Irgendwann, ohne dass es ein bestimmter Satz auslöste,
veränderte sich etwas.
Ein Moment, der leise entsteht,
ohne dass man ihn kommen sieht.

Sie atmete tief durch, lächelte ein wenig
und sagte schließlich:

„Ja. Nehmen Sie ihn.
Er soll wieder fahren.“

Damit fiel die Entscheidung:
Er wird mein Auto.
Meine Verantwortung.
Mein nächstes Kapitel.

Und irgendwo zwischen Kaffee, Erinnerung
und dem Blick aus diesem Küchenfenster
wurde Projekt Marrakesch geboren.

Project Marrakesh – Teil 2 von 8

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