Selbstporträt - Malen nach Zahlen oder Warum ich mir lieber ein Ohr abschneide, als etwas zu einfach zu machen.

  Ich war noch nie gut in einfachen Dingen. Und ich habe Dingen, die auf Anhieb funktionieren, nie wirklich getraut. Wenn etwas beim ersten Versuch klappt, bin ich nicht stolz. Ich werde misstrauisch. Dann fange ich an zu zweifeln – nicht an mir, sondern am Ziel. War es zu klein? Zu bequem? Zu nah an dem, was jeder hätte machen können? Ich hatte nie Angst vor dem Scheitern. Eher im Gegenteil. Manchmal hatte ich Angst davor, nicht zu scheitern. Angst davor, dass etwas sofort gelingt – und ich mich dann frage, ob der Weg überhaupt notwendig war. Ich arbeite nicht linear. Ich fange nicht bei null an. Null ist für mich keine Freiheit, null ist eine Aufgabe. Freiheit beginnt für mich mit Dingen. Mit Material. Mit Gewicht. Mit Widerstand. Ich sammle Sachen „für später“. Dinge, von denen ich nicht weiß, wofür ich sie brauche. Aber ich weiß: Irgendwann werde ich es wissen. Das ist keine Unordnung. Das ist Freiheit auf Vorrat. Meine Projekte entstehen nicht aus Ide...

Projekt Marrakesch – Die Entscheidung am Küchenfenster

 


Manchmal beginnt ein neues Abenteuer nicht mit Motorgeräuschen
oder dem Drehen eines Zündschlüssels,
sondern mit einem einfachen Gespräch am Küchentisch.

Bevor aus einer Idee ein Projekt werden konnte,
bevor „Marrakesch“ mehr war als eine vage Richtung auf einer Landkarte,
musste ich jemanden überzeugen,
der mit diesem Wagen weit mehr verband als Blech, Technik oder Wert.

Die Besitzerin des Porsche.

Für sie war der 944 nie nur ein Auto.
Er war ein Teil ihres Lebens,
ein stiller Begleiter,
ein Gefährte ihres Mannes,
der vor fast einem Vierteljahrhundert verstorben war.
Seit jenem Tag stand der Wagen auf demselben Platz,
unausgesprochen bewacht durch das Küchenfenster,
als wäre dieser Blick hinunter in den Hof
ein letzter Faden, der die Vergangenheit festhielt.

Jeder, der den Porsche kaufen wollte,
stieß nicht an eine Preisvorstellung –
sondern an eine emotionale Grenze.
Denn wenn der Wagen gehen würde,
würde eine neue Lücke entstehen.
Keine Karosserie mehr, die durchs Fenster zu sehen war.
Kein vertrauter Umriss.
Keine Verbindung zu einem Leben, das längst weitergezogen war.

Als wir uns trafen, ging es nicht um technische Fragen,
nicht um Rost, um Papiere oder um Verhandlungen.
Es ging darum, Vertrauen zu schaffen.
Zu zeigen, dass der Porsche nicht in irgendeiner Werkstatt verschwinden würde,
nicht ausgeschlachtet, nicht lieblos weitergereicht werde.

Wir sprachen lange.
Über Erinnerungen, über Reisen, über das Auto,
über Dinge, die man nicht in Fotos festhalten kann.
Sie wollte wissen, wer ich bin,
warum gerade ich diesen Wagen wollte,
und was ich mit ihm vorhabe.
Eine Art persönliches Bewerbungsgespräch –
nur mit mehr Herz als Formalität.

Während sie erzählte, stand die Tasse Kaffee zwischen uns,
und hinter ihr, durch das Fenster,
sah ich den Porsche: still, verstaubt, eingefroren in seiner eigenen Zeit.

Irgendwann, ohne dass es ein bestimmter Satz auslöste,
veränderte sich etwas.
Ein Moment, der leise entsteht,
ohne dass man ihn kommen sieht.

Sie atmete tief durch, lächelte ein wenig
und sagte schließlich:

„Ja. Nehmen Sie ihn.
Er soll wieder fahren.“

Damit fiel die Entscheidung:
Er wird mein Auto.
Meine Verantwortung.
Mein nächstes Kapitel.

Und irgendwo zwischen Kaffee, Erinnerung
und dem Blick aus diesem Küchenfenster
wurde Projekt Marrakesch geboren.

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