Projekt Erbse#02 - Braune Pest, grüner Bus.

 

 

Grüner Mercedes Sprinter von vorn links mit schwarzer Motorhaube

 

In nur vier Wochen vom Blechkasten zum Wohnmobil – Ambitionen muss man haben.

In der gesamten Theoriephase – als wir noch Pläne zeichneten, Ideen verwarfen und in jeder freien Minute hitzige Diskussionen über Ausbauvarianten führten – wurde ein Thema vorsorglich ganz nach vorne gezogen: Schweißarbeiten und Rostbeseitigung.

Und das war gut so.
Denn was dann kam, hatte es in sich.

Um ehrlich zu sein: Es war viel. Sehr viel. Rost ist bei diesen Kisten kein Randthema, sondern ein echtes Problem. Warum der Hersteller das nie wirklich in den Griff bekommen hat? Keine Ahnung. Gut, eigentlich weiß man es. Aber mit jeder freigelegten Roststelle, mit jedem weiteren ungeplanten Loch im Blech wuchsen Wut, Frust und ein ziemlich unangenehmes Gefühl im Magen.

Da ist zum einen diese braune Pest, die man beim Schleifen und Sandstrahlen einatmet, die überall hängt und einem abends noch in der Nase sitzt. Und da ist zum anderen diese leise, nagende Unsicherheit:
Hört das irgendwann auf? Oder zerlegt man hier gerade schleichend den kompletten Bus?

Zwischendurch fühlte es sich genau danach an. Als würde aus einem soliden Blechkasten langsam ein Sieb werden.

Die untere Kante der Schiebetür war schließlich nicht mehr zu retten. Kein Schönreden, kein Flicken – sie musste komplett raus und neu eingeschweißt werden. Der restliche Rost konnte immerhin nur partiell repariert werden. „Nur“ ist dabei relativ. Eine kleinere Tafel Blech, zwei, drei originale Reparaturbleche, gefühlte 100 Meter Schweißdraht und etliche Stunden später war der Bus endlich wieder ganz.

Und dann dieser Moment: kein neues Loch mehr. Kein weiterer brauner Fleck, der sich zeigt. Einfach Schluss.

Erleichterung.

Ab da konnte es endlich losgehen. Jetzt nicht mehr theoretisch, sondern richtig. Und es musste schnell gehen, denn die erste Testfahrt stand schon fest im Kalender – und das nicht in irgendeinem Kalender. Im Kalender meiner besseren Hälfte: eine Woche Rügen. Eine Woche Campingplatz. Eine Woche, um herauszufinden, ob aus diesem Projekt wirklich ein Wohnmobil wird – oder nur eine weitere gute Idee.


Was auf die Schnelle zu machen war

Als Allererstes: der Lack.
Ein weißer Bus war für mich von Anfang an ausgeschlossen. Weiß ist neutral, austauschbar, unsichtbar. Es riecht mehr nach Arbeit und Werkzeug als nach Urlaub und Abenteuer. Und genau so sollte dieses Fahrzeug nicht sein. Keine Baustellenkutsche für freie Tage.

Grün war schnell gesetzt. Aber Grün ist nicht gleich Grün. Noch nicht einmal bei einem Mann. Wenn es schließlich darauf ankommt, können wir auch in Farbnuancen denken. Matt oder glänzend? Metallic oder Uni? Militärisch oder freundlich? Jede Variante erzählt eine andere Geschichte. Und genau darum ging es: um den Charakter. Männlichen Charakter. Die paar Kissen später werden die Außenoptik auch nicht mehr „weicher“ machen. 😉

Die Entscheidung fiel schließlich auf Lindgrün von Brantho Korrux.
Nicht, weil es gerade im Trend liegt, sondern weil es sich richtig angefühlt hat. Unaufgeregt, robust, ein bisschen eigen – mehr Spielzeug fürs Grobe als Showcar. Ein Farbton, der verzeiht, der benutzt werden darf und der mit der Zeit nur mehr Charakter bekommt.

Dazu kamen die Eigenschaften, die im Alltag den Unterschied machen: hohe Kratzfestigkeit, sehr gute Deckkraft, integrierter Rostschutz. Und vor allem die Möglichkeit, später mit exakt demselben Lack auszubessern oder zu überlackieren, ohne vorher alles wieder anschleifen zu müssen. Kein Perfektionismus, sondern Pragmatismus.

Zweiter Punkt: die Sitze.
Fahrer- und Beifahrersitz mussten raus. Nach all den Stunden Arbeit sollte man wenigstens vernünftig sitzen – und nicht ständig daran erinnert werden, wie alt dieses Fahrzeug eigentlich ist.

Drittens: die Trennwand.
Sie trennte nicht nur Fahrerhaus und Laderaum, sondern gefühlt auch Theorie und Praxis. Also raus damit. Stattdessen ein neuer Boden, durchgehend von der Hecktür bis nach vorne ins Fahrerhaus. Ab hier wurde aus einem Transporter langsam ein Wohnraum.

Viertens: der eigentliche Ausbau.
Eine Küchenzeile, ein Bett, eine Sitzmöglichkeit und Stauraum – reduziert auf das Wesentliche, aber mit klarer Funktion.

Fünftens: die Technik.
Ein Kühlschrank, ein Stromwandler und eine Powerbank. Kein High-End-Ausbau, kein Overkill, sondern eine funktionierende Basis für die erste Reise.

Dazu kam eine außenliegende Steckdose mit Sicherungskasten, um den Bus sicher an das Stromnetz auf dem Campingplatz anschließen zu können. Kein Improvisieren mit Verlängerungskabeln, kein Kabelsalat im oder vor dem Bus als Stolperfalle. Keine fliegenden Lösungen – sondern etwas, das man einsteckt und dann sicher und einfach benutzen kann.

Sechstens: der Papierkram.
TÜV-Abnahme, Ummeldung – und dann ab in den Urlaub.
Oder besser gesagt: in die Testwoche.

Einen kleinen, aber nicht ganz unwesentlichen Haken hatte dieser Plan allerdings: Für TÜV und Ummeldung musste ich mit dem Bus nach Deutschland fahren. Und plötzlich war klar – das hier war nicht nur ein Ausbauprojekt, sondern auch ein Wettlauf gegen die Zeit.

 

Ab jetzt war Tempo angesagt.
Lange überlegt, ewig geplant – also wurde schnell geschweißt, schnell lackiert und noch schneller ausgebaut.

Wie schnell?
Drei Wochen schnell.

Zum Glück hat das Wetter mitgespielt. Denn alle Arbeiten fanden draußen statt. Ja, draußen.
„Wie bitte?“ werden jetzt einige denken. Draußen lackiert?

Ja. Warum nicht.

Kein Problem, wenn man ein paar Grundregeln beachtet. Die erste und wichtigste: nicht zu nah am Nachbarsgrundstück. Dann gibt es auch keine Probleme mit dem Nachbarn. Zweitens: lackieren nur bei Windstille. Drittens: mit möglichst wenig Druck arbeiten, damit Staub und Dreck nicht unnötig aufgewirbelt werden.

Und mit dem Lack, den ich verwendet habe, funktionierte das optimal. Er ist für genau solche Aufgaben von Haus aus prädestiniert.

Wenig Druckluft bedeutet automatisch mehr Materialauftrag und weniger Staub – dafür aber keine spiegelglatte Oberfläche, sondern eine leichte Struktur. Diese Struktur bringt zwar etwas weniger Glanz, hat aber einen entscheidenden Vorteil: Man muss die zu lackierenden Flächen nicht zu hundert Prozent perfekt vorbereiten. Neunzig Prozent reichen vollkommen aus, um ein mehr als zufriedenstellendes Endergebnis zu bekommen.

Und genau darum ging es: nicht um Perfektion, sondern um Fortschritt.

Nach drei Tagen intensiver Arbeit am Thema Lackieren war der Bus farblich fertig. Dach, Heck, Motorhaube sowie die Seiten unterhalb der Seitenbeplankung wurden in Schwarz matt lackiert. Der Rest der Karosserie in Lindgrün. Oder, wie meine Frau sagen würde: erbsengrün. Ab diesem Moment ging es nicht mehr um Karosserie oder Farbe – sondern darum, aus einem Bus einen Wohnraum zu machen.

 


Grüner Sprinter von der Seite, Fenster mit Papier abgeklebt – Vorbereitung fürs Lackieren

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