Arktik Abenteuer Teil 1– wenn man mit dem Leben Va banque spielt.

Nordkapp Arktik Abenteuer

 

 

 

Arctik Adventure – eine Winterfahrt zum Nordkapp!

Das Vorhaben

Einen Plan im Leben zu haben, ist nicht schwer.
Ihn umzusetzen ist aber schon etwas anderes.

Eine blöde Idee zu haben, ist noch einfacher.
Aber diese umzusetzen?
Mit Sicherheit nicht einfach.

Ist der Gedanke, im Winter zum Nordkapp fahren zu wollen, wirklich so blöd?
Die Idee an sich vielleicht nicht ganz – aber mit einem Oldtimer?
Das ist schon etwas anderes.
Eine ganz andere Hausnummer.

Für die einen vielleicht nur blöd, für die anderen mutig oder besonders.
Auch der Zeitpunkt, den ich mir ausgesucht habe, war etwas Besonderes:
Silvester am Nordkapp.

Um die Wahrheit zu sagen, war diese Idee schon seit Jahren in meinem Kopf.
Nur mit der Umsetzung hat es bis jetzt nie geklappt.

Bis es dann im Jahr 2016 fast so weit gewesen wäre.
Alles war vorbereitet und exzellent durchgeplant –
nur nicht der Motorschaden zwei Wochen vor der Abfahrt.

Schon wieder hieß es dann:
„Aber nächstes Jahr!“

Und nächstes Jahr hat es dann wirklich geklappt.

Ich habe es gemacht.
Wir haben es gemacht.

Wir waren Silvester am Nordkapp.
2017 auf 2018.

 

Die Vorbereitungen

Ursprünglich war geplant, den Nordkapp wieder einmal mit dem FSO Polonez zu „erobern“.
Mit einem Auto aus der kommunistischen Vergangenheit Polens.
Mit genau dem Auto, mit dem ich bereits fast 30 Länder Europas bereist habe.

Wenn ich alleine zum Nordkapp gefahren wäre, hätte ich das mit Sicherheit auch getan.
Dann wäre der Polonez wieder unterwegs gewesen.

Doch es kam anders.

Anders in dem Sinne, dass meine Lebenspartnerin plötzlich mitfahren wollte.
Um ehrlich zu sein, hätte ich nie damit gerechnet, dass sich eine Frau so etwas freiwillig antun möchte.

Vier Wochen vor dem Start in dieses eisige Abenteuer hieß es plötzlich:
„Ich fahre mit.“

Eine ziemlich klare Ansage, würde ich sagen.

Am Anfang hatte ich meine Zweifel.
Warum will sie mich auf tausenden Kilometern durch Eis und Schnee, bei Dunkelheit und Kälte begleiten?
Soll das eine Art Mutprobe sein?
Oder – noch schlimmer – eine Art Beziehungstherapie auf Vorrat?

Meinen Respekt hatte sie sofort und meine volle Aufmerksamkeit obendrauf.😊
Vielleicht war genau das der wahre Grund.

Alles schön und gut – aber kann so etwas wirklich gut gehen?

Als ich dann ihre ersten Einkäufe sah – eine richtige Schneehose, Thermounterwäsche und natürlich neue Winterschuhe – war ich mir sicher:
Sie meint es wirklich ernst.

Damit die gemeinsame Fahrt nicht schon nach den ersten paar hundert Kilometern zum Fiasko wird, beschloss ich kurzerhand, ein anderes Fahrzeug zu nehmen.
Ein Auto, das sicherer ist.
Größer.
Bequemer.
Und vor allem eines mit einer deutlich besseren Heizleistung.

Wir steigen um auf den alten, guten Mercedes-Benz W123.
Ein 230E, Baujahr 1983.

Da ich das Auto erst kurz zuvor fertig restauriert hatte und es als nahezu unkaputtbar gilt, waren keine großen Vorbereitungen nötig.

Ein paar Zusatzscheinwerfer.
Ein paar Becherhalter für den unverzichtbaren Kaffee.
Anderes Motoröl und Kühlwasser für extreme Minustemperaturen –
und wir waren bereit.

Auch bei den Ersatzteilen blieb es überschaubar:
ein paar Sicherungen,
eine Verteilerkappe samt Verteilerfinger,
eine gebrauchte Lichtmaschine
und ein neues Thermostat.

Das sollte im Notfall reichen, um unser Ziel zu erreichen.

Kurz vor der Abfahrt entschieden wir uns außerdem, noch einen zweiten Radsatz mitzunehmen.
Wir nahmen Spikereifen mit.

 


Die geplante Strecke

Wir starten am 25. Dezember 2017, am ersten Weihnachtsfeiertag.
Da meine Pilotin in Polen zu Hause ist, heißt die erste Etappe:

GrünbergÅhus
ca. 1.100 km

Von dort geht es weiter nach Stockholm
ca. 560 km

Anschließend nach Frösön
weitere 560 km

Das nächste Ziel ist Skellefteå
ca. 450 km

Von dort aus geht es weiter nach Rovaniemi
ca. 400 km

Danach folgt Alta
ca. 530 km

Und zum Schluss das Ziel der Reise:
Nordkapp
weitere 240 km

Das sind fast 4.000 Kilometer, die es in sechs Tagen zu bewältigen gilt –
und zwei feste Termine, die dabei eingehalten werden müssen.

Der erste und wichtigste natürlich:
Silvester-Galadinner im Hotel am Nordkapp.

Der zweite nicht ganz so wichtig, aber verrückt und zeitlich deutlich anspruchsvoller:
Wir haben einen festen Termin, mit fester Uhrzeit, für eine Husky-Schlittentour gebucht.
Nicht irgendwo – sondern am Polarkreis.

So selbstverständlich und planbar wie eine Wettervorhersage aus dem Kaffeesatz lesen zu wollen.
Die Chancen sind aber die gleichen: fifty fifty.
Entweder es klappt – oder es klappt eben nicht.

Letztlich gilt das für die ganze Fahrt.
Entweder oder.

Der geplante Rückweg würde uns dann über
Tromsø,
Bodø,
Trondheim
und Oslo
nach Larvik führen.

Von dort geht es mit der Fähre nach Dänemark
und anschließend zurück nach Grünberg.

Ein Plan ist Theorie, die in die Praxis umgesetzt werden muss.
Das ist dann das wahre Leben.
Und genau das sind die Punkte, an die du dich am Ende erinnern wirst.

2 alte Autos, 2 durchgeknallte Fahrer plus 2 weibliche Co-Piloten. 

Wir fahren los! 

 

 


 

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